Essgeschwindigkeiten

Es gibt Menschen, die essen langsam. Es gibt Menschen, die essen schnell. Dabei gibt es kein gut oder schlecht. Sondern nur längere oder kürzere Wartezeiten zwischen den Portionen. Es gibt auch Menschen, die bei jeder Mahlzeit lautstark verkünden müssen, dass sie sich von den Essgeschwindigkeiten der anderen unter Druck gesetzt fühlen. Oft erlebe ich dies bei den sogenannten Langsam-Essern. Ich gehöre nicht zu dieser Sorte. Ich esse schnell. Ich esse sehr schnell. Manchmal bin ich mir sogar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt kauen müsste. Dass ich zwischen den Portionen und nach dem Essen auf andere «warten» muss, stört mich kein bisschen. Und ich behaupte von mir, dass ich das auch niemanden spüren lassen würde, wenn es denn so wäre. Dass sich gewisse Leute aber passiv aggressiv über mein zu schnelles Essen beklagen, stört mich hingegen sehr. Ich schreibe hier «passiv aggressiv», weil mir niemand direkt sagt «Dein schnelles Essen stört mich!», sondern weil der Missmut über mein vermeintliches Schlingen nur indirekt und pseudo-höflich zum Ausdruck gebracht wird. Meistens merke ich es, wenn die Person sich zum Beispiel demonstrativ dafür entschuldigt, selber nicht so schnell essen zu können, wobei das so etwas zu scharf betont wird. Darauf folgen nicht selten Ratschläge, um die ich nicht gebeten habe. Das Sättigungsgefühl setze erst nach 20 Minuten ein. Sehr wahrscheinlich würde ich mit einer gedrosselteren Kaugeschwindigkeit automatisch viel weniger essen. Man soll einen Bissen bis zu 24 Mal kauen, bevor man ihn runterschluckt. Schlingen sei sehr ungesund. Danke für die Hinweise! Nicht. Wenn aber auch solche Versuche mich auf meinen Fehler aufmerksam zu machen an mir abprallen, folgen die Unterstellungen. Du geniesst das Essen ja gar nicht! Du möchtest wohl nicht am Gespräch teilhaben! Du bist immer so gestresst! Du findest wahrscheinlich das Menu nicht so gut! Hier ist dann oft der Punkt erreicht, an dem ich mich ernsthaft zu fragen beginne, welche Strategien ich wohl anwenden könnte, um langsamer zu werden. So lange kauen, bis nur noch Flüssigkeit im Mund ist. Nach jedem Bissen das Besteck ablegen und wieder aufheben. Nur noch dann schlucken, wenn auch die anderen alle geschluckt haben. Jedes Reiskorn einzeln aufspiessen. Ein Stück Gemüse in zehn Teile teilen. So viele Möglichkeiten! Oder würde es nicht reichen, wenn sich niemand mehr über die Essgeschwindigkeit des anderen beklagt?

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