Friss und stirb

Impulsivität und Zwanghaftigkeit schliessen sich gegenseitig nicht aus. Woher ich das weiss? Naja…

Ohne den geringsten Hauch von Selbstkontrolle stopfe ich mich voll. Obwohl ich gerade gegessen habe, kann ich nicht aufhören zu essen. Mein Bauch schwillt mit jedem Bissen weiter an. Ich muss immer weiter machen. Immer wieder stehe ich auf und laufe zum Kühlschrank, greife verzweifelt nach einer kulinarischen Möglichkeit, ein nicht-kulinarisches Loch zu füllen. Selbsthass und Trauer schliessen sich meiner inneren Leere an, bilden zusammen eine Triade, die sich kaum ertragen lässt. Das vollbeladene Teller vor mir spiegelt mein Inneres wider. Überquillend, viel zu viel, viel zu schnell, unkontrollierbar, beängstigend aber dennoch komplett leer. Kaum Kalorien und dennoch zu viele, gesunde Lebensmittel für einen ungesunden Geist. Die Waage steht Alibi-mässig daneben, einfach damit ich mich ja nicht verrechne. Als ob ich mich verrechnen würde beim Essen. Viel zu bewusst ist mir, wie viel Energie ich hier gerade in mich reinstopfe. Zu wenig, um ein Bilderbuch-Fressanfall zu sein aber zu viel, um es nicht zu sein. Gurken, Karotten, Hüttenkäse, Äpfel, Joghurt. Ja, das klingt vorbildlich, ist es aber nicht. Nicht so, wie ich es gerade umsetze. Ich fresse mich gesund ins Unglück, stopfe mich voll mit anorektischen Häppchen, kann nicht aufhören zu essen und zu rechnen. Und am Ende liege ich auf dem Sofa. Vollgestopft und leer.

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