(Alp)Traumhaft

Nachdem einer meiner Alpträume wahr geworden ist, befinden wir uns nun in der Therapie auf einer traumhaften neuen Ebene.

Aber zuerst zum Alptraum.

Ich fürchte mich davor, von anderen Menschen abgelehnt zu werden. Zum Beispiel in Form von nicht-meinem-Selbstwert-dienlichen Meinungen über meine Persönlichkeit und mein Verhalten. Damit können einige Menschen gut umgehen, andere aber nicht. Ich gehöre zur Sorte, die es nicht kann. Ich fürchte mich davor, genau so zu sein, wie die Menschen, die mich selber komplett nerven. Zum Beispiel Leute, die ständig nur jammern und klagen. Diese Furcht führt dazu, dass ich nicht proaktiv etwas von mir erzähle und man mir die Dinge deshalb oft aus der Nase ziehen muss, um diese zu hören ( I know, das ist auch keine besonders tolle Eigenschaft, aber wenigstens gehöre ich damit nicht zu den Jammerlappen). Addiert man die beiden Komponenten, ergibt sich die Furcht davor, dass jemand einen Teil von mir ablehnt, welchen ich aktiv zu verhindern versuche, weil ich eben gerade nicht so ein möchte. So, und genau diese zwei Fürchte (Furchten? Furchte?) vereint bewahrheiteten sich in der vorletzten Therapiesitzung. Mitten in der Stunde meinte Dr. Freud relativ unverblümt, ich sei wiedermal am lamentieren und dieser Lamentier-Modus sei schon etwas langweilig.
IN. YOUR. FACE. 👊.
Eine lamentierende Langweilerin zu sein ist wohl eine der schlimmsten Konstellationen, die ich sein könnte. Der kleine Rest meiner Selbstachtung zerbröselte innerhalb von wenigen Tausendstelsekunden. Humor half nicht weiter und Tränen kommen sowieso nie, wenn ich sie mal brauche. Also leerten sich mein Kopf und mein Körper von jeglichem Inhalt, so dass ich den Rest der Stunde im Prinzip gar nicht mehr hätte anwesend sein müssen… Das gesamte darauffolgende Wochenende, zerbrach ich mir den Kopf. Hat er es wirklich so gemeint? War es ironisch? War es Taktik? Eine therapeutische Methode, um etwas auszulösen? Bin ich eine langweilige Lamentiererin? Mein innerer Widerstand hat dann beschlossen, das Ganze mutig, unlangweilig und ohne zu lamentieren in der Therapie anzusprechen. Denn genau das wollte er doch damit erreichen. Also setzte ich mein Vorhaben stolz in die Tat um: „Wahrscheinlich haben Sie das ja auf diese direkte Art gesagt, weil Sie genau wissen, dass es meine Furcht ist, langweilig und jammernd dazusitzen, so dass Sie sich davon einen Effekt erwarteten. Quasi als therapeutische Provokation, so dass ich erkenne, dass ich nicht langweilig und jammernd bin und mich viel zu fest von dieser Angst einschränken lasse.“ Aber wie es scheint, lag ich falsch. Denn erneut meinte Dr. Freud, ich sei wirklich in einem langweiligen Lamentier-Modus und da könne er mir nicht weiterhelfen. Dann begann er plötzlich über einen Traum zu sprechen, den ich beiläufig in der vorletzten Sitzung erwähnt hatte. Und wir sprachen tatsächlich die gesamte Sitzung lang über diesen Traum und was er zu bedeuten haben könnte. Psychodynamisch, vorbewusst, voll nach Dr. Freud halt… Und das sei nun eine neue Ebene, auf der wir vielleicht besser arbeiten könnten. Dort gehe es nicht darum, konkrete Schritte einzuleiten und die chronische Passivität hinter sich zu lassen. Dort könne ich mein Unbewusstes wirken lassen und schauen, was sich entwickle. Und DAS fände er wahnsinnig spannend. Nicht, dass mein misstrauischer Kern ihm das glauben würde aber immerhin.

Endboss besiegt. Nächstes Level gestartet.

Ein Kommentar zu „(Alp)Traumhaft

  1. Können die Angst verstehen, hatten hier einige auch ewig und drei Tage: Angst davor nicht perfekt zu sein – so nennen das Einige hier und haben tatsächlich diese dann auch langweilig genannt. Eine der Stärken dieser Personen ist es, dass sie tatsächlich alles versachlichen können und immer nach außen ruhig bleiben können. Sie durchdenken ein Problem vollständig, korrekt und können Vorschläge zur Lösung anbieten. Allerdings schränken sie sich selbst extrem ein, das ist das, was bei uns diejenigen nicht sehen wollen – das wäre nicht sooo schlimm, wenn sie dabei Bedürfnisse und Gefühle anderer nicht ignorieren würden. Aber um diese achten zu können, muss man sie erkennen und anerkennen können – das ist ein Manko bei den Personen von uns, die sich bemühen stehts perfekt zu sein. Wir haben manchmal noch Probleme damit, aber überwiegend haben wir festgestellt, dass es recht befreiend ist, nicht perfekt sein zu müssen. Anderen gegenüber, die nichts von unserem Viele sein wissen, kommen wir seitdem sympathischer vor und wir haben es leichter Menschen zu finden, die uns nicht ausnutzen wollen. Wir erkennen und erleben immer öfter Menschen, die zwar nicht so sind, wie wir, aber die auf einer Wellenlänge von vielen von uns liegen.

    Ist zwar nur eine Theorie, aber das, was der Typ als Langeweile bezeichnet hat, sehen wir eher als Frust… der hat keine Ahnung, wie er euch/dir die befreiende Wirkung des Nicht-Perfekt-Sein-Wollens näher bringen kann – so dass ihr es selbst erleben könnt.

    Wir wünschen euch die Erfahrung so frei sein zu können 🙂
    Liebe Grüße und bis bald

    P.S. Wir finden euch nicht langweilig, gehören aber sicher zu denen, die ab und an sich unter die Bettdecke verkriechen und jammern – nach einer Zeit geht es auch wieder darunter hervor mit neuer Kraft an die Sachen. 🙂

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