Beziehungsarbeit

Gestern war ich bei Dr. Freud. Und ich litt wohl ein bisschen an Aufmerksamkeitsmangel. Deshalb habe ich – natürlich unter einem wahnsinnig gut getarnten Vorwand – angetönt, dass es vielleicht besser wäre, wenn ich nicht mehr zweimal wöchentlich zu ihm in die Therapie kommen würde. Denn (und da kam der Vorwand ins Spiel) die Krankenkasse könnte ja plötzlich aufhören zu bezahlen und was würde ich dann bloss machen…

Das bin ich, wie ich versuche unauffällig zu wirken.

Seinem Schmunzeln, das er extrem unauffällig hinter seinen Händen zu verstecken versuchte, entnahm ich, dass er mich bereits nach dem ersten Wort durchschaut hatte. Trotzdem spielte er überraschenderweise mit, erzählte mir etwas von seiner Einschätzung meiner psychischen Gesundheit und fragte mich, was ich denn für ein Gefühl zur Therapie hätte. Ich ging natürlich auch darauf ein, um meine Tarnung nicht zu gefährden und brabbelte extrem schlaue Dinge vor mich hin… Sie haben wahrscheinlich recht. Ich muss mir dazu etwas überlegen. Es ist eine schwierige Frage.

Das bin ich. Ertappt beim offensichtlichen Versuch ein bisschen Bindungsarbeit zu provozieren.

Dann setzte er noch einen drauf: Ich finde, Ihre Problematik bzw. Ihre Störung ist nicht gerade leicht ausgeprägt. Ich denke, sie ist gravierend und bedarf einer Therapie, die mehr als eine klassische Psychotherapie ist. Deshalb laufen Sie bei mir auch unter „integrierte psychiatrische Behandlung“ und kommen am Besten weiterhin mindestens zweimal pro Woche. Und das sage ich nicht einfach so, weil Sie das hören wollen. Und damit hatte er mich.

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