¡Adios, Situationos!

Schon merkwürdig, wie dir plötzlich aus dem Nichts klar werden kann, dass sich eine Person scheinbar unscheinbar in deinen (sehr nahe an der Schmerzgrenze liegenden) Bindungs-Radius manövriert hat und dann dort vor sich hin „ist“ und bei dir intensivste Nähe-Gefühle auslöst. Mit dazu extreme Verlustängste. Und du sitzt da und fragst dich, wie es möglich ist, dass du diese Person noch vor wenigen Tagen zum Teufel gejagt hast. Und die Wucht dieser Erkenntnis überfordert dich dermassen, dass du „die Situation innerlich verlässt“. So nennt es zumindest dein Therapeut, wenn sich dein Ich-Gefühl ein bisschen aufzulösen scheint. Aber dieses Mal ist es anders: Du vertraust ihm ein klitzekleines bisschen mehr. Und zum ersten Mal in der Geschichte deiner Psychotherapie versuchst du nicht, deine Dissoziation um jeden Preis zu verstecken. Du sitzt einfach da, innerlich hohl und ohne Körpergefühl und traust dich, nichts zu sagen. Denn alles, was du jetzt sagen würdest, wären roboterhafte und automatisierte Floskeln, die sowieso nichts mit deiner Realität zu tun haben. Du sitzt da und wartest die Minuten ab. Auch als du dich an praktisch nichts der letzten Tage erinnern kannst, wenn dich dein Therapeut ins Hier und Jetzt zurückzuholen versucht und fragt, was du alles gemacht hast, dann versuchst du nicht, diese Erinnerungs-Zugangs-Verweigerung zu vertuschen, sondern weisst es halt einfach nicht. Vielleicht ist das ja ein Fortschritt?

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