Du schaffst es! … Oder doch nicht?

Am Donnerstagvormittag werde ich meine letzte Prüfung absolvieren. Nicht die letzte in meinem Leben aber die letzte meines Studiums. Diese 60 Minuten werden folgendermassen ablaufen: 60 Ja/Nein-Fragen, Kreuzchen setzen, Klicken, Schwitzen, Zittern, Zweifel, Panik, Depersonalisation, Kopfschmerzen, Stress. That’s all. Dann habe ich es hinter mir und es folgt wahrscheinlich ein Post-Prüfungs-Nickerchen, das meine Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse wieder in einen ruhigeren Zustand versetzen sollte. So weit der Plan. Habe ich gelernt? Ja. War ich während des Semesters immer anwesend? Ja. Habe ich aktiv mitgemacht? Ja. Habe ich mir brav eigene Beispiele zum Stoff überlegt? Ja. (Bin ich eine Streberin? Obviously.) Scheisse ich mir vor Angst trotzdem fast in die Hose? Auch ja. Meine innere Panik-Macherin hat nämlich beschlossen, dass diese Prüfung nur schief gehen kann. Und ihre Argumentation hört sich in etwa so an: 1.) ist es die letzte Chance das Studium zu vermasseln, 2.) werden die Fragen hundertprozentig und extra so gewählt sein, dass ich sie falsch beantworten muss, 3.) werde ich mich ganz sicher verklicken, 4.) werde ich ein komplettes Black-Out haben und 5.) werde ich als einzige Seminarteilnehmerin komplett versagen. Und das schlimmste dabei ist: Ich werde es verdient haben, weil ich mich einfach nicht genug angestrengt habe. Was soll ich sagen, sie hat es echt drauf, mich tagelang in den Wahnsinn zu treiben. Und man sollte meinen, nach all den Prüfungen sollte ich mit ihr etwas besser umgehen können. Aber dem ist nicht so. Im Gegenteil, ich lasse mich von ihrer Psycho-Hetze dazu verleiten, mir ständig von anderen Personen versichern lassen zu müssen (*), dass ich genug gelernt und mir eine genügende Note verdient habe. Ich kann mir das nämlich nicht selber sagen, weil ich mir selber einfach nicht glauben würde. Ich sabotiere mich selber, gebe dieser Angst-B*** zu viel Macht, sitze vor meinem Streber-Werk (siehe Foto) und zweifle an mir selber.

* versichern lassen müssen dürfen sollen können haben

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