Psychotherapie-Weiterbildung

In der Schweiz gehört es zum Pflichtprogramm, nach fünf Jahren Psychologiestudium auch noch eine drei bis fünf Jahre lange Psychotherapie-Weiterbildung (die auch akkreditiert ist) zu absolvieren. Nur so erhält man den Fachtitel und somit die Befähigung als Psychotherapeutin tätig zu sein. In meinem Fall waren es fast acht Jahre Studium aber was will man machen. Wenn die Psyche beschliesst, dass die Studienjahre die wohl geeignetste Zeitspanne für psychische Zusammenbrüche ist, dann dauert das Ganze halt etwas länger. Und nun nach diesen fast acht, sehr turbulenten Jahren stehe ich da, muss mir eine Weiterbildungs-Richtung aussuchen und dann für einen Weiterbildungsplatz ausgesucht werden. Bei der Weiterbildung, die ich gerne machen würde, gehört glücklicherweise keine Prüfung und kein Assessment zum Aufnahmeverfahren, nur ein klärendes Kennenlerngespräch. Ausserdem muss man sich nicht schon über ein Jahr im Voraus dafür anmelden, so wies bei beliebten Richtungen oft der Fall ist. Die Fachrichtung, für die ich mich entschieden habe, ist die psychoanalytische (PA) Psychotherapie. Die andere „grosse“ Fachrichtung, die wohl am häufigsten vertreten wird, ist die kognitiv verhaltenstherapeutische (KVT) Psychotherapie. Diese beinhalten natürlich eine ganze Reihe von unterschiedlichen Weiterbildungen, die einfach diesen „grossen“ Kategorien zugeordnet werden. Daneben gibt es aber auch noch zahlreiche Richtungen, die nicht klar zugeordnet werden können und wollen. Systemische, körperorientierte, personenzentrierte, gestalttherapeutische Ansätze und noch viele weitere. Und ja, natürlich auch recht viele integrative Ansätze, wobei diese häufig auch den KVT-Bereich zugeordnet werden, was sie ein bisschen weniger integrativ macht, als sie behaupten zu sein. Meine Meinung: Schlussendlich wird man als eine angestellte Psychologin so oder so mehr oder weniger integrativ arbeiten und offen sein müssen. Anders ausgedrückt: Dieses „verschulte“ Denken nervt mich echt gewaltig. Mein Studium war sehr KVT-geprägt und dementsprechend wurde ich fast acht Jahre lang in eben diese Richtung gelenkt. Und weg von den anderen Richtungen. Das blieb nicht ohne Wirkung: Jetzt, wo es ernst ist, bin ich extrem verunsichert, ob es ein zu grosses Risiko ist, eine PA-Therapieausbildung zu machen in einer sonst recht KVT-lastigen Therapiewelt. Ich habe mich darüber schon mit ein paar TherapeutInnen unterhalten. Was mir davon am klarsten im Gedächtnis geblieben ist: „Mit der PA-Ausbildung wirst du in einer solchen Klinik keine Stelle finden.“ „Mit PA-Ausbildung wirst du einen extrem verschulten Weg einschlagen und automatisch immer wie verschlossener gegenüber anderen Ansätzen.“ Diese beiden Statements verunsichern mich bis heute. Aber genau diese beiden Statements stammen auch von zwei eingefleischten KVT-Therapeutinnen… Bin ich also womöglich durch mein Umfeld ein bisschen voreingenommen? Wahrscheinlich. Heisst das, ich bin vielleicht doch auf dem richtigen Weg mit meiner Wahl? Hoffentlich.

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