Sitzung 2 von 8

S: Ich habe von Ihnen geträumt.
IT: Aha.
S: Aber nicht so, wie sie jetzt gerade denken! Sie kamen einfach darin vor.
IT: Was denke ich denn gerade?
S: Sie denken, dass es ein sexueller Traum war. Und Wahrscheinlich denken Sie jetzt, dass ich wieder einmal Ihre Gedanken vorneweg nehme und Dinge annehme, von denen ich erstens nicht weiss, ob sie stimmen, und die ich zweitens wohl auf Sie projiziere und die damit zu mir gehören. Das heisst, irgendwie haben Sie doch recht.
IT: Womit habe ich recht?
S: Dass der Traum irgendwas Sexuelles zu bedeuten hat.
IT: Das haben aber Sie gesagt. Ich habe nur nachgefragt, was Sie annehmen, dass ich denke.
S: *oh, shit, stimmt*
S: Wie lange haben wir noch?
IT: Wir sind erst seit fünf Minuten hier.
S: …
IT: …
S: Themawechsel: Ist das eigentlich Ihr Roller, der draussen vor der Tür steht?
IT: *runzelt die Stirn*
IT: Ob das mein Roller ist?
S: …
IT: Ich glaube, es ist nicht die Frage, ob das mein Roller ist. Aber, um noch einmal auf den Traum zurückzukommen, wieso haben Sie das Gefühl, dass ich denke, dass der Traum etwas Sexuelles bedeutet?
S: *leicht dissoziierend vor Scham*
S: Das habe ich gar nicht. Da ist nur gerade mein stereotypes Bild von Psychoanalytikern mit mir durchgegangen. Der Traum hat nichts Sexuelles zu bedeuten.
IT: Wollen Sie davon erzählen, dann können wir es gemeinsam anschauen?
S: Nein, ich glaube nicht.
IT: Hm, ok.
S: Im Traum haben wir eine Therapiesitzung gehabt und dabei zusammen eine Flasche Wein getrunken. Also so direkt aus der Flasche und mit hin und her geben und so. Das war einerseits merkwürdig aber andererseits war es auch eine sehr gute Therapiesitzung. Mir hat das noch gefallen, weil die Stimmung viel ausgelassener war, als sie hier normalerweise ist. Sehen Sie, ganz was anderes vom Thema her.
IT: …
S: Was denken Sie denn jetzt?
IT: Der Traum hat vielleicht aber doch mit einer Lust zu tun. Für mich scheint es so, als gehe es da um Kontrollverlust und eine enthemmte Beziehung und auch die Lust, das so wahrnehmen und ausleben zu können. Dabei geht es nicht primär um mich als anwesende Person, sondern mehr um das Gefühl, das die Situation in Ihnen auslöste. Wo fand denn das Ganze statt?
S: Im Therapiezimmer. Also nicht genau hier. Mehr in einer angepassten Version, die ich in meinem Traum davon habe.
S: *beginnt zu kapieren, in was für ein spicy Thema sie sich da reingeritten hat*
S: *möchte wegrennen*
S: Wie lange haben wir noch?

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