Die heilige Dreifaltigkeit*

Depression: Ein Zustand, der geprägt ist von negativen Gefühlen wie Lustlosigkeit, Leere, Traurigkeit, Wut, Frustration, Hoffnungslosigkeit, Angst, Unsicherheit und vielen weiteren Arschlöchern der Emotionsvielfalt. Dieser Zustand hält lange an und scheint für den Betroffenen weder einen klaren Anfang noch ein in Sichtweite liegendes Ende zu haben. Meistens entstehen aufgrund dieser Gefühle gewisse Verhaltensweisen, die dann dazu führen können, dass die Gefühle sich verstärken oder zumindest vorhanden bleiben. Dieses Verhalten lässt sich ganz einfach beschreiben mit Worten wie häufiges weinen, allein sein wollen, sich einsam fühlen, alles scheisse finden, herumjammern, klagen, zu viel essen, zu wenig essen, zu viel schlafen, zu wenig schlafen, gar nicht schlafen, sich selber verletzen, andere psychisch verletzen, nicht aufstehen wollen, nicht ins Bett gehen wollen, nur so tun als ob man etwas lustig findet, den eigenen Zustand schönreden und zuguterletzt: sich selber bemitleiden. Und damit wären wir beim zweiten Begriff angekommen.

Selbstmitleid: Sich fühlen, als ob man die einzige Person auf der Welt wäre, welche die Bürde trägt, jegliches Unrecht und Unglück erleben zu müssen, obwohl man das eigentlich nicht verdient hat. Ein Gefühl, wie wenn alle anderen besser dran wären und alles Schlechte immer nur einen selber trifft und nie jemand anderen. Oft kommt Selbstmitleid in Phasen und bleibt nicht dauerhaft präsent. Dabei gibt es zwei Sorten von Menschen – diejenigen, die sich öffentlich selbst bemitleiden und nach und nach alle ihre Freunde damit in den Wahnsinn treiben und diejenigen, die sich im stillen Kämmerlein unter leisen Tränenflüssen von ihrem Elend überwältigen lasssen und ihrem Selbstmitleid nur im Versteckten freien Lauf lassen. Ich persönlich versuche krampfhaft zur zweiten Gruppe zu gehören. Gemäss meiner Theorie verfolgen diese zwei Sorten von Menschen auch verschiedene Ziele mit ihrem Selbstmitleid, bewusst oder unbewusst. Erstere bezwecken mit ihren Jammer-Attacken vor allem eines: Aufmerksamkeit und somit Zuwendung. Zu Beginn mag das ja auch gut funktionieren aber nach gefühlten hundert Stunden des Bemitleidens ändert sich die Reaktion der meist unfreiwilligen Zuhörer von mitfühlenden Seufzern zu resignierten Themenwechsel-Versuchen, was aufgrund von Nicht-Funktionieren mit der Zeit permanent zu genervtem Augenrollen führt. Die stillen Selbstbemitleider hingegen wollen nicht (nur) Zuwendung sondern vor allem eine schnelle Besserung. Ihre egomanischen ich-bin-ja-so-ein-armes-Ding-Phasen führen paradoxerweise dazu, dass sich diese Menschen danach etwas besser fühlen. 

Hungerspiele: Oft werden solche, oben beschriebenen Phasen begleitet von unbeherrschbaren Essensgelüsten, denen aufgrund von herabgesetzter Selbstkontrolle früher oder später nachgegeben werden muss. Das endet meistens mit einem mentalen Kampf zwischen dem kleinen, saftigen und wohlriechenden Monster namens „Gelüste“ und dem sturen aber vernünftigen inneren Selbst. Gekämpft wird um nicht weniger als eine angefressene Packung Paprikachips, ein paar Schoggistängeli, die zuvor versteckte Packung Skittles und ein Bier. Gewinnen tut i.d.R. nicht das vernunftgeleitete Selbst. Dieses ist nämlich zu diesen Zeitpunkten zu beschäftigt damit, jegliche verbliebene Selbstkontrolle auf das sich-selber-bemitleiden zu leiten, um sich mit diesem inneren Krieg befassen zu können. Das Resultat davon ist dann wohl oder übel der Sieg der Gelüste, ein schlechtes Gewissen und ein paar Pickel im Gesicht am nächsten Tag. 

Diese drei Komponenten ergeben zusammen eine Triade des Verderbens. Wie der Name schon sagt, zieht sie dich, einmal hineingeraten, ins Verderben. Das Verderben besteht meistens aus Gewichtszunahme, abgebrochenen Bekanntschaften, Einsamkeit und geschwollenen Augen, kann aber je nach Mensch variieren.  

*Es gibt natürlich diverse Variationen solcher Verderbens-Triaden. Hier habe ich lediglich eine häufig anzutreffende Variante genannt. Da wären aber noch (u.a.):
-> Alkohol + Frustration + „mir-egal-Zustand“
-> Leere + Alkohol + Hungerspiele
-> Frustration + Unterzuckerung + anwesende Dritte (a.k.a. Opfer der Umstände)
-> Diffuse Emotionswelle + Anspannung + scharfe Gegenstände
-> Geld + Leere + Hypomanie

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